3 Übungen um visuelles Denken und fotografisches Gedächtnis zu entwickeln

Vielleicht hast auch du dir schon des Öfteren gewünscht, Texte oder Bilder, die du irgendwo und irgendwann schon einmal gelesen beziehungsweise gesehen hast, dauerhaft in deinem Gehirn speichern zu können, so dass du sie im Bedarfsfall zielsicher und fehlerfrei abrufen kannst? Könnte es sein, dass visuelles Denken über die Jahre immer weniger wurde?

Dann hast du eventuell auch schon einmal etwas davon gehört oder gelesen, dass es Menschen gibt, die tatsächlich über eine ausgeprägte Form dieser besonderen Fähigkeit verfügen. Texte oder Bilder werden dabei – offenbar wie bei einem Fotoapparat – einmal aufgenommen, um dann dauerhaft und jederzeit erneut abrufbar zu sein.

Stelle dir vor, wie es wäre, du könntest ein Buch einmal lesen, und wüsstest anschliessend exakt, auf welcher Seite eine bestimmte Textpassage gestanden hat. Das klingt ein wenig nach Science-Fiction; ist es aber nicht.

Ursächlich verantwortlich für diese fantastisch anmutende Fähigkeit, die sich – das sei schon an dieser Stelle klar gesagt – nicht trainieren oder erwerben lässt, sind (so legen wissenschaftliche Forschungsergebnisse aus dem Bereich der Hirnforschung nahe) vermutlich Schädigungen im Schläfenlappen, die aus einer embryonalen Entwicklungsphase stammen.

Auffällig ist, dass weit überdurchschnittlich vor allem Männer betroffen sind, die zudem mit einer hohen Korrelation auch mehr oder weniger stark ausgeprägte Züge von Autismus zeigen.

Menschen, die über ein fotografisches Gedächtnis verfügen (auch „eidetisches Gedächtnis“ genannt) werden demnach im Prinzip durch einen „Hirndefekt“ dazu in die Lage versetzt, sogenannte Inselbegabungen zu entwickeln, über die „normale“ Menschen meist nur staunen können. Im Zusammenhang mit dem Thema fotografisches Gedächtnis hört und liest man oftmals auch von sogenannten „Savants“.

Was ist damit gemeint?

Als Savant bezeichnet man einen Menschen, der in einem sehr begrenzten Bereich geradezu übermenschliche Fähigkeiten besitzt, die für Normalsterbliche niemals – auch nicht mit sehr viel Training – erreichbar sein werden. Typische Beispiele für geradezu fantastisch anmutende Fähigkeiten solcher Savants sind beispielsweise:

  • Zu jedem beliebigen Datum binnen Sekunden sofort den richtigen Wochentag nennen können
  • Ein Bild betrachten, und anschliessend bis ins Detail alles nachzeichnen können
  • Ein Buch zu lesen, und exakt zu wissen, wo genau welcher Wörter platziert sind

Solche Savants werden nicht selten auch als „lebende Lexika“ bezeichnet, weil Sie offenbar dazu fähig sind ein Lexikon zu lesen, um dann alle Details konkret und fehlerfrei wiedergeben zu können.

So beeindruckend solche Fähigkeiten, die auf der Grundlage eines fotografischen Gedächtnisses zustande kommen, auch sein mögen, so sehr darf nicht verschwiegen werden, dass Menschen mit solchen Inselbegabungen im „normalen Leben“ meist völlig hilflos agieren; das heisst, dass sie oftmals schon mit einfachsten Verrichtungen im Alltag hoffnungslos überfordert sind.

Kurz: wirklich beneidenswert sind solche Savants also nicht. Wie lässt sich nun eine sinnvolle „Brücke“ schlagen zu dem oftmals geäusserten Wunsch vieler Menschen, ein besseres Gedächtnis haben zu wollen?

Nun, Mittel und Wege, die zu deutlich besseren Gedächtnisleistungen führen, gibt es sehr viele. Einige davon sind bereits einem grösseren Publikum bekannt geworden, andere dagegen fristen mehr ein Schattendasein. Grundsätzlich ist es wichtig zu wissen, dass es für jeden Menschen Gedächtnistricks gibt, die mehr oder weniger spezifisch geeignet sind.

Von daher bist du klug beraten verschiedene Möglichkeiten auszuprobieren, um die für deine Persönlichkeit optimale Technik zu finden. Am besten du trägst dich jetzt direkt in den Lerntipp.com Newsletter ein, um keine Infos und Tipps zu verpassen.

Was kannst du konkret tun, um mittelfristig deine Gedächtnisleistungen spürbar zu verbessern, so dass du – zumindest in sehr bescheidenen Ansätzen – ein Gedächtnis erreichst, das sich (wie wir inzwischen wissen allerdings nicht real) mit den Leistungen messen lassen könnte, die dem eines fotografischen Gedächtnisses ansatzweise entsprechen?

Nun, ähnlich dem, was viele SportlerInnen in Fitnessstudios trainieren (hier: Muskelkraft), so lassen sich auch deine Gedächtnisleistungen durch ein gezieltes und konsequentes Training deutlich verbessern. In Anlehnung an den weithin bekannten Spruch „Wer rastet, der rostet“, gilt auch für dein Gehirn: je intensiver und je regelmässiger du es trainierst, umso besser werden die resultierenden Leistungen sein, die du von ihm erwarten darfst.

Aus der Fülle der Möglichkeiten, die dir zu deutlich besseren Gedächtnisleistungen verhelfen können, habe ich hier exemplarisch einige Beispiele aufgeführt, die sich in der Praxis immer wieder nachweislich sehr bewährt haben.

Übung 1: Ein Klassiker, den du vielleicht noch aus deiner Kindheit kennst, ist das Spiel Memory.

Jeder, der schon einmal mit Kindern das Memory Spiel gespielt hat, wird überrascht gewesen sein, dass in der überwiegenden Zahl der Fälle Kinder gegen Erwachsene gewinnen. Wie kann das sein? Nun, bei Kindern ist in der Regel die rechte Gehirnhälfte, die unter anderem für eine bildhafte Speicherung und Verarbeitung von Sinneseindrücken zuständig ist, noch besser ausgeprägt, als dies bei vielen, untrainierten Erwachsenen der Fall ist.

Der überwiegende Teil der Erwachsenen wurde im Laufe des Lebens dazu angehalten primär die linke Gehirnhälfte, die für logisches Denken zuständig ist, zu nutzen. Optimale Denkleistungen ergeben sich aber – das belegen viele Studien – vor allem dann, wenn es gelingt, die Fähigkeiten der linken und rechten Gehirnhälfte intelligent zu kombinieren.

Sofern du also kein Memory-Spiel mehr spielst, solltest du dir es schnellstmöglich angewöhnen, um dann regelmässig und fleissig damit zu trainieren. Hier kannst du das Memory Spiel online spielen.

Übung 2: Ein gutes Training, mit dem du dein fotografisches Gedächtnis spürbar verbesserst, ist das Auswendiglernen von Zahlenfolgen.

Um nun das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden, solltest du dir für dein Gedächtnistraining Zahlenfolgen auswählen, die zudem eine „positive Nebenwirkung“, sprich: einen Lerneffekt, haben.

So könntest du dich beispielsweise mit der inhaltlich höchst interessanten Zahl PI beschäftigen, die in unterschiedlichsten Konstellationen auftaucht. Diese von vielen Menschen als „magisch“ wahrgenommene Zahl, birgt viele, höchst interessante Geheimnisse, die sehr weit über den mathematischen Bereich hinausreichen. So gibt es unter anderem die Idee, dass in der Zahl PI womöglich der „Heilige Gral des Universums“ codiert sein könnte; sozusagen eine Art Universalcode, dem sich Ursprung und Fortgang unseres Universums entlocken liessen?

Doch zurück zum Thema Gedächtnistraining. Wie kann dir die Zahl PI zu einem besseren Gedächtnis verhelfen? Am besten schreibst du zunächst mindestens die ersten 20 Nachkommastellen der Zahl PI auf ein Blatt Papier (also: 3,14159265358979323846). Versuche nun – links beginnend – Zahlenmuster oder auch rhythmische Muster in dieser geheimnisvollen Zahl zu entdecken. Sprich die Zahl immer wieder laut und deutlich vor dir her, und erweitere bei jedem neuen Durchgang die Zahlenkette um eine weitere Ziffer.

Du musst es nicht gleich zu Höchstleistungen bringen, wie sie z. B. 2006 vom 60-jährigen Akira Haraguchi vollbracht wurden, dem es gelang binnen etwa 16,5 Stunden sage und schreibe 100’000 Stellen der Kreiszahl PI auswendig zu lernen. Die meisten deiner Freunde und Bekannten werden schon schwer beeindruckt sein, wenn du zum Beispiel die ersten 50 Stellen der Zahl PI korrekt wiedergeben kannst.

Perfektes fotografisches Gedächtnis - Akira Haraguchi Rekord 100'000 Stellen von der Zahl Pi in 16,5 Stunden
Akira Haraguchi mit 60 Jahren perfektes fotografisches Gedächtnis – Rekord 2006: 100’000 Stellen von der Zahl Pi in 16,5 Stunden auswendig

Aber wusstest du, dass es noch einfacher geht um sich solche Zahlen zu merken? Mit dem sogenannten Major System kannst du Zahlen in Buchstaben verwandeln, diese Buchstaben bilden Wörter und die Wörter bilden Geschichten / Aktionen / Handlungen. Schliesslich musst du dir nur die Geschichte merken, was einfach ist, und davon leitest du dann die Zahlen ab. Wie das genau geht und ein Tool zum Generieren dieser Wörter findest du hier: Zahlenmerken mit dem Major System.

Majorkey-System
Majorkey-System – die Geheimwaffe beim Zahlenmerken

Übung 3: Eine weitere, sehr effektive Methode um visuelles Denken zu optimieren, ist das Blindschach.

Dabei werden komplette Schachpartien ohne Ansicht von Brett und Figuren ausschliesslich „aus dem Gedächtnis“ gespielt. Insbesondere für Menschen, die bis dahin kein Schach gespielt haben, mutet es gespenstisch an, wie es möglich sein soll komplette Schachpartien (im Mittel ca. 40 – 50 Spielzüge) auf einem Schachbrett mit insgesamt 64 Feldern sowie 32 Figuren vollständig und ausschliesslich aus dem Gedächtnis absolvieren zu können. Und doch ist es so, dass dies tatsächlich möglich ist.

In diesem Zusammenhang lässt sich übrigens ebenso deutlich wie unzweifelhaft beweisen, dass es fundamentale Unterschiede gibt zwischen dem, was ein echtes, fotografisches Gedächtnis und ein „antrainiertes Gedächtnis“ ist. Schachmeister, die über ein echtes, fotografisches Gedächtnis verfügen, vermögen sogar 100 Blindschachpartien simultan (das heisst zeitgleich) gegen 100 und mehr Gegner zu spielen. Ein Normalsterblicher wird eine derartige Gedächtnisleistung niemals – auch nicht mit sehr viel Training – erreichen können; schlichtweg deshalb, weil die neurologischen Voraussetzungen nicht vorhanden sind. Die gute Nachricht ist: jeder gesunde Mensch kann – ein effektives und konsequentes Training voraussetzend – lernen, eine komplette Schachpartie vollständig nur aus dem Gedächtnis, also ohne Ansicht von Brett und Figuren, zu spielen.

Das glaubst du nicht? Dann solltest du dich einem intensiven Selbsttest unterziehen. Wie machst du das? Beginne zunächst damit nur wenige Figuren auf dem Schachbrett aufzubauen. Schau dir dann die Stellung für fünf Sekunden intensiv an. Nun wende deinen Blick ab, und baue die zuvor wahrgenommene Stellung auf einem zweiten Schachbrett erneut auf. Steigere dein fotografisches Gedächtnis, indem du die Zahl der aufzubauenden Figuren systematisch erhöhst. Trainiere möglichst täglich, und geniesse deine sich kontinuierlich verbessernde Gedächtnisleistung.

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